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Eine Sammlung an Texten rund um Hiphop und Grafitti.

Hier gibt es diverse lesestuff. Rechtliches und Politisches zu Grafitti, Infos aus unseren Pro-Hall of Fame -Kampagne und sonstige Infos, die es Wert sind, verbreitet zu werden.


Wie man illegales Graffiti bekämpft....

Graffiti ist weltweit Bestandteil unabhängiger Jugendkultur - weltweit leben Jugendliche mit diesem Medium ihre Kreativität aus. Dazu kommt, dass Graffiti sich in den letzten Jahren immer mehr zu der angesehendsten Form des gemalten Bildes unter Jugendlichen entwickelte. Die Industrie setzt jährlich weltweit über 1 Mrd. DM mit Graffiti um, Graffiti taucht in der Werbung, in Musikvideos, ja selbst auf Broschüren der Polizei auf.
Muss man akzeptieren - ist halt einfach so.
Die vergeblichen Anstrengungen in eigentlich allen Grossstädten dieser Welt zeigen, dass man Graffiti - wie auch jede andere Kultur - nicht durch Überwachung & Repressionen stoppen kann.
Illegales Graffiti, bei dem wirkliche Schäden entstehen, muss verfolgt werden, das ist klar - Frage ist nur „wie“.
Meiner Meinung nach der beste Weg ist, durch Projekte, Workshops, legale Wände usw. immer mehr Jugendliche für legales Graffiti zu begeistern - dies ist der Weg, den wir mit dem Kassler Graffiti-Projekt beschreiten.
Dadurch, dass wir nur Aktionen an den legalen Flächen anbieten, haben wir es geschafft, den größten Teil der Szene auf „legales“ Graffiti zu bringen - dadurch, dass neulinge legale Flächen zum üben hatten und dann gar keinen Sinn darin sahen, Nachts unter Zeitdruck mit schlechtem Licht zu malen. Andererseits haben wir Jugendlichen, die illegal malten eine Ausstiegsmöglichkeit aus der illegalität gegeben, ohne dass sie hierbei ihre bevorzugte Art der kreativen Selbstentfaltung aufgeben mussten.
Leider ist diese langjährige Arbeit durch verschiedene Aktionen der Polizei wieder zerstört worden;
Polizei & BGS überwachten permanent die legalen Flächen, was bedeutete, dass auch diejenigen, die nur legal malen, sich nicht mehr dort hintrauen (jeder, der sich mit Graffiti beschäftigt weiss, dass die Graffiti-Sonderkommissionen ohne wirklich fundiertes Wissen arbeiten - regelmässig werden dadurch Jugendliche vor Gericht gezerrt, die sich nichts haben zu schulden kommen lassen). Darauf hat natürlich keiner Lust, denn selbst wenn man das Verfahren eingestellt wird, hat man erhebliche Kosten. Ausserdem filmte die Polizei oder der BGS verdeckt aus dem Auto eine Veranstaltung des Kulturzentrums Schlachthof, verfolgten Writer bis in andere Städte, machten regelmässig „allgemeine Personenkontrollen“ usw. usw.
Das Ergebnis all dieser Anstrengungen der Polzei & des BGS; Legales Graffiti: Minus 80%, Illegales Graffiti + 400 %. Leute, die vorher nur symphatisanten dieser Kunstrichtung waren, nahmen aus diffusen Rachegefühlen gegen die Polizei die Dose in die Hand, weil die Polizei „Ihre“ Kunst verfolgte, Jugendliche, die eigentlich schon aufgehört hatten zu malen, fingen wieder an, Legale Maler stiegen aus Mangel an legalen Möglichkeiten auf illegales Graffiti um, der Hass in der gesamten HipHop-Szene auf die Polizei & BGS stieg immens - jeder bekam mit, wie Leute, von denen jeder wusste, dass sie nur legal malten, vor Gericht mussten, wie Existenzen durch Beschlagnahmungen von Arbeits und Uni-Materialien gefährdet wurden, wie Polizei & BGS lächerlichste „Beweise“ gegen legale Maler ins Feld führten usw.
Somit kann man sagen, dass - ganz vorsichtig geschätzt - jedes zweite Graffiti, dass heute in Kassel illegal gesprüht werden wird, ohne die Rambo-Methoden der Polizei & des BGS nicht gesprüht werden würde.

Insgesamt hat dieser ganze Soko-Quatsch bestimmt einige Hunderttausend DM gekostet, mit dem Ergebnis, dass kein wirklicher, illegaler Maler ermittelt wurde, dafür aber eine gesamte Szene in die Kriminalität gedrängt wurde. Mehrere Writer hatten Verfahren, die meisten wurden eingestellt, einige wurden wegen lächerlicher Beweislage garnicht erst von einem Richter eröffnet - jeder, der was mit Graffiti zu tun hat, muss durch solche Aktionen Angst haben, sich auf einmal vor Gericht wiederzufinden.

Ich möchte nochmal betonen; Sie können Graffiti nicht abschaffen, da es sich um eine Kultur handelt, die für einen Grossen Teil der Jugendlichen sehr wichtig ist. In Berlin stehen die U-Bahnen nachts in unterirdischen Abstellanlagen, bewacht von Securitys und Hunden - trotzdem werden dort jede Nacht U-Bahnen gemalt. In Chicago verbot man das mitführen von Sprühdosen, in New York verbot man den beliebtesten Marker (edding), setzte V-Männer wie bei Terroristen ein - alles mit dem Erfolg, dass die ganze Szene in die illegalität gedrängt wird, sich völlig radikalisiert und sich die Sprüher auch wie Terroristen fühlten.
HipHop-Lieder wie „There´s a war going on against my culture !“ sind heirfür ein Beispiel.
Mein Aufruf ist:
Versuchen Sie, es durch aktive Jugendarbeit in einigermassen geordnete Bahnen zu lenken - dies ist meiner Meinung nach die einzige Chance, überhaupt positiv einzugreifen. Alles andere würde eine Verschärfung des Problems, eine weitere Kriminalisierung von Jugendlichen und das Zerstören von Existenzen durch völlig übertriebene Strafen zur Folge haben.
Diese Art der Jugendarbeit setzt aber voraus, dass Stadt und Jugendpflege zusammen Druck auf die Polizei & den BGS ausüben, diese Arbeit nicht zu zerstören, so wie sie es nicht nur in Kassel getan haben.

Dankeschön!
Boris Bouchon
für das Kasseler Graffiti Projekt


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